Am Anfang
„Ich wusste das gar nicht — und jetzt?“
Diesen Satz höre ich von Gründern fast jede Woche. Er ist völlig in Ordnung. Etwas nicht zu wissen ist kein Fehler — es steht nirgends, und niemand sagt es einem.
Stand: 29.08.2026
Wer gründet, kümmert sich um das, was sichtbar ist: das Angebot, die ersten Kunden, die Website, vielleicht die Rechtsform. Die Buchhaltung kommt in dieser Reihenfolge fast nie vor. Sie fühlt sich an wie etwas, das man später erledigt.
Das Problem daran ist nicht, dass später zu spät wäre. Das Problem ist, dass in den ersten Monaten Entscheidungen getroffen werden, ohne dass jemand merkt, dass es Entscheidungen waren.
Was am Anfang festgelegt wird, ohne dass es jemand ausspricht
- Wie deine Rechnungen aussehen. Womit du sie schreibst, ob sie fortlaufend nummeriert sind, ob das Programm das durchhält, wenn es mal eng wird.
- Wohin deine Belege gehen. Ordner, Schuhkarton, Mailpostfach, Fotoalbum auf dem Handy — irgendein System entsteht in den ersten Wochen von selbst. Meist nicht das, das man behalten möchte.
- Ob es eine Kasse gibt. Und wenn ja, wie sie geführt wird. Das ist einer der Punkte, an denen später oft etwas fehlt.
- Ob du zwischen Firma und privat trennst. Ein eigenes Geschäftskonto ist keine Formalie. Ohne die Trennung muss später jede einzelne Buchung zugeordnet werden.
- Ob du Rücklagen bildest. Dazu gleich mehr.
Nichts davon ist kompliziert. Es fragt einen nur nie jemand danach.
Der teuerste Anfängerfehler
Er hat nichts mit Buchhaltung im engeren Sinne zu tun und kommt trotzdem immer wieder vor.
Ein großer Auftrag kommt rein. Das Geld ist auf dem Konto. Der Kontostand sagt: läuft. Also wird investiert, angeschafft, entnommen. Und dann kommt die Umsatzsteuer.
„Ja, jetzt zahl mal die Umsatzsteuer.“ — „Habe ich nicht mehr.“Sabine über den Klassiker
Als Angestellter bekommst du am Monatsende ein Gehalt, von dem Krankenkasse und Lohnsteuer bereits abgezogen sind. Als Unternehmer bekommst du einen Betrag, von dem noch mehrere Leute etwas wollen — und niemand zieht es vorher ab. Das umzustellen ist der eigentliche Schritt in die Selbständigkeit, und es passiert im Kopf, nicht im Formular.
Am liebsten rede ich, bevor du gründest
Nicht weil dann mehr zu tun wäre, sondern weil dann noch alles entschieden werden kann. Wenn du mit einer Idee kommst und wir vorher einmal durchgehen, wie dein Geschäft tatsächlich Geld verdient, ersparen wir uns später eine Menge Aufräumarbeit.
Bei Zahlenwerken aus Businessplänen bin ich dabei vorsichtig. Sie sind selten falsch gerechnet — sie sind nur oft optimistisch gerechnet, weil sie einen anderen Zweck haben: jemanden zu überzeugen. Für die Frage, was am Monatsende tatsächlich übrig bleibt, sind sie die falsche Grundlage.
„Ich bin kein rosa Wolkentyp.“Sabine
Sie sagt lieber vorher, wo es Ärger und Probleme gibt.
Du musst kein Buchhalter werden
Das ist ausdrücklich nicht das Ziel. Niemand gründet ein Unternehmen, um Konten zu führen.
„Ich will aus keinem Unternehmer einen Buchhalter machen. Ich zeige ihm, wo er hinschauen muss.“Sabine
Was du brauchst, ist nicht Fachwissen, sondern zwei oder drei Stellen, an denen du weißt, wo du hinsiehst — und jemanden, den du fragen kannst, ohne dich dafür zu rechtfertigen, dass du es nicht weißt.
Ein Punkt, der jetzt gerade wichtig ist
Wenn du deinen Rechnungsprozess ohnehin gerade einrichtest, richte ihn gleich so ein, dass er hält. Bei der E-Rechnung laufen bis 2028 mehrere Fristen ab, und die erste ist längst vorbei: Empfangen können musst du sie seit 2025.
E-Rechnung: ab wann es dich betrifft
Wie es weitergeht
Wenn du gerade anfängst oder im ersten Jahr steckst: Das Erstgespräch kostet nichts, und es ist kein Verkaufstermin. Wir schauen uns an, was du vorhast und was daraus für deine Zahlen folgt. Danach weißt du mehr, auch wenn wir nicht zusammenarbeiten.
So fängt die Zusammenarbeit an